Wespen ökologisch umsiedeln: Leitfaden für Profis

Wann sollte man Wespen umsiedeln?
Bei Weitem nicht alle Wespenarten stellen eine direkte Gefährdung dar. In Mitteleuropa sind es vor allem die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris), die dem Menschen im Spätsommer lästig werden können. Doch auch bei diesen Arten ist Töten keine Standardmaßnahme. Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt vor: Wespen dürfen nur dann beseitigt werden, wenn eine tatsächliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit besteht oder eine individuelle Gefährdung nachweisbar ist.


In vielen Fällen lässt sich eine Gefahr durch Abstand halten, Aufklärung oder einfache Barrieren entschärfen. An Eingängen, Aufenthaltsbereichen oder sensiblen Einrichtungen wie Kitas und Pflegeheimen ist es dennoch oft gewünscht, Wespennester zu entfernen.
Bei nicht geschützten Arten und vertretbarem Aufwand bietet das Wespen Umsiedeln eine rechtssichere und gut nachvollziehbare Lösung – insbesondere, wenn Kunden explizit nach einer tierfreundlichen Alternative fragen.
Fachgerecht umsiedeln: Das ist zu beachten
Die professionelle Wespenumsiedlung verlangt eine strukturierte Herangehensweise, abgestimmt auf Art, Standort und Niststruktur. Aus der Seminarpraxis zeigt sich: Die Einschätzung vor Ort entscheidet maßgeblich über den Erfolg der Umsiedlung. Dazu gehören folgende Schritte:
1. Art bestimmen
Nicht jedes Nest gehört zu den klassischen Problemarten. Die Europäische Hornisse ist besonders geschützt – ihre Nester dürfen ohne Genehmigung nicht einmal umgesetzt werden. Eine sichere Bestimmung ist daher Grundvoraussetzung. Wer unsicher ist, sollte sich an eine fachkundige Stelle wenden oder bei Bedarf ein entsprechendes Sachkundeseminar absolvieren.
2. Neststandort beurteilen
Wo befindet sich das Nest – freihängend am Dachvorsprung oder tief im Erdreich? Handelt es sich um ein Früh- oder Spätnest? Wie viele Flugeingänge und -ausgänge sind vorhanden? All diese Faktoren entscheiden über das weitere Vorgehen.
3. Geeigneten neuen Standort wählen
Der neue Nistplatz sollte möglichst naturnah, ruhig und geschützt liegen – etwa in Waldrandnähe, auf einem Gartengrundstück oder an einem wenig besuchten Hang. Der Abstand zum Ursprungsort sollte mehrere Kilometer betragen, um eine Rückkehr der Arbeiterinnen zu verhindern.
Die richtige Ausrüstung für die Umsiedlung
Ohne das passende Equipment ist der sichere Umzug eines Wespennestes weder praktikabel noch verantwortungsvoll. Zur Grundausstattung gehören:
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Imkeranzug mit Schleier: Vollständiger Körperschutz ist Pflicht – auch bei vermeintlich harmlosen Nestern.
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Umsiedelungsbox mit Belüftung: Ein atmungsaktiver Behälter (z. B. aus Holz oder Styropor), in dem das Nest transportiert werden kann.
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Absauggerät mit Bypass-System: Hier empfehlen sich Geräte mit justierbarer Saugkraft, um die Tiere möglichst stressfrei einzufangen.
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Sprühflasche mit Wasser oder Baldrianlösung: Zur Beruhigung der Wespen während der Entnahme.
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Werkzeug: Spachtel, Handsäge oder Messer zum Lösen von Nestern an festen Untergründen.
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Praktische Tipps für eine reibungslose Umsetzung
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Früh am Morgen oder spät am Abend arbeiten – wenn das Nest ruhig ist und die meisten Tiere anwesend sind.
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Ruhig und zügig vorgehen, Hektik vermeiden.
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Lösen des Nests, unter Berücksichtigung der Neststruktur.
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Nest mitsamt Waben und Königin entnehmen, da die Kolonie sonst nicht überlebensfähig ist.
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Einen neuen Standort wählen, der ruhig, sonnig bis halbschattig ist und ausreichende Nahrungspflanzen in Reichweite hat.
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Am neuen Standort mit gleicher Himmelsausrichtung platzieren, um die Orientierung zu erleichtern.
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Kontrollbesuch nach 24–48 Stunden, um sicherzugehen, dass sich das Volk stabilisiert.
Wichtig: Der neue Standort sollte mindestens 3–4 km vom ursprünglichen entfernt liegen, um Orientierungsflüge zurück zum alten Nistplatz zu vermeiden.
Häufige Fehlerquellen beim Wespen umsiedeln
Auch erfahrene Umsiedler stoßen auf Herausforderungen – sei es durch unterschätzte Nestgröße, falsch eingeschätzte Aggressivität oder unzureichende Sicherung beim Transport. Aus der Praxis lassen sich folgende Empfehlungen aussprechen:
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Nie ohne Sichtprüfung umsiedeln – auch bei „Standardnesterkennung“
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Nur vollständige Nester mit Königin umsetzen – Fragmentnester haben kaum Überlebenschancen
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Witterung berücksichtigen – starker Regen oder Hitze beeinflussen sowohl die Umsiedlung als auch die Stabilisierung des Wespenvolks negativ
Grundsätzlich gilt: Sicherheit geht vor. Im Zweifel oder bei unvorhersehbaren Situationen brechen Sie lieber ab, als ein unnötiges Risiko einzugehen. Zudem ist es hilfreich, immer eine Genehmigung der Naturschutzbehörde mitzuführen, falls das Nest einer besonders geschützten Art angehört und somit unter Naturschutz steht.
Wespen umsiedeln als Qualitätsmerkmal
Wespen umsiedeln ist mehr als nur eine tierfreundliche Maßnahme – es zeigt Fachkompetenz und ein Bewusstsein für ökologische Verantwortung. Als professioneller Schädlingsbekämpfer heben sie sich durch die Maßnahme von Mitbewerbern ab und kommen dem zunehmenden Wunsch nach nachhaltigen Lösungen entgegen. Dies wird auch von den Kunden geschätzt.
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